Reisebericht Nr. 30
Heisse Festtagsgrüsse zum Ende des Jahres 2009 an unsere Freunde und geneigten Leser!
vor sechs wochen habt ihr das letzte mal von uns gehört - kolumbien süd-nord mit einigen schleifen haben wir durchquert und eigentlich war jeder tag von überraschenden und positiven erlebnissen erfüllt. das land hat zwar nach vielen problembeladenen jahren einen schlechten ruf. wir aber haben das gegenteil erlebt! jedoch erinnert uns eine enorme militär- und polizeipräsenz allüberall daran, dass diese sicherheit schwer erarbeitet ist.
hie und da wurden wir von diesen sicherheitskräften angehalten, aber kaum kontrolliert. etwas neugierig waren sie einfach auf diese - vor allem im inland - sehr seltenen touristen mit dem doch auffälligen gefährt. so konnten wir uns aber auch immer nach der strassen- und sicherheitssituation erkundigen und bekamen kompetente auskünfte. ausgeschildert sind die strassen und wege nämlich auch hier kaum.
wir kamen viel ins gespräch mit den äusserst gastfreundlichen und hilfsbereiten menschen - die meisten bedanken sich bei uns, dass wir kolumbien besuchen und heissen uns herzlich willkommen. sowas haben wir noch nie erlebt!

wir verliessen also die hacienda der montoyas, wo der letzte bericht verfasst wurde, und fuhren über armenia - pereira - manizales durch fruchtbares, hügeliges agrarland ins cocora-tal. die gegend ist berühmt für die berghänge, die von einer speziellen, hohen wachspalmenart bewachsen ist. es war richtung schneeberg tolima leider so neblig, dass wir den gipfel nicht sehen konnten. und als wir zurück richtung talausgang fuhren, fing es an zu regnen - immer heftiger und es war ziemlich kühl. wir fanden ein camping mit eiskalten duschen in einem häuschen und warmwasserduschen freiluft. na ja, wasser kam genügend vom himmel und löste für uns das problem.
über einen bergtrack kurvten wir durchs kaffeeanbaugebiet - wo kaffee wächst, wachsen auch viele bananen. reif und aromatisch werden sie gepflückt und am strassenrand verkauft. paradiesisch für alle affenarten...
es wurde abend in den bergen, steilhänge und weit und breit keine campingmöglichkeit. wir vermuteten an einem dorfeingang eine polizeistation und fuhren da hin. wäre für uns ideal gewesen. das eine entpuppte sich jedoch als schlachthof und beim anderen gebäude fragten wir einen smarten zivilisten, ob wir da bleiben könnten. er wollte uns jedoch aus sicherheitsgründen nicht (?),es stellte sich dann heraus, dass das ein gefängnis war und der nette zivilist der gefängnisdiektor, der wohl seinen bäsen buben nicht traute. er gab uns eine polizeieskorte auf töff mit, die uns zu einem guten ort begleiten sollte. wir waren dann hinter einem restaurant am bach gut aufgehoben. damit wir reinfahren konnten, wurde die terrasse von tischen und stühlen geräumt. touristen gibts in der gegend wohl nie und die leute waren so enorm gastfreundlich und interessiert, dass wir kaum ins bett kamen. muchas gracias don gabriel!
es interessierte uns ja brennend, wo die berühmt-berüchtigten drogenkartelle von escobar und ochoa gewirkt hatten - so führte unser weg nach medellin, auch heimatstadt des wohl berühmtesten kolumbianischen künstlers fernando botero.
nach einigem suchen fanden wir direkt an der plaza botero ein leicht heruntergekommenes grand-hotel mit hoher garageneinfahrt - so war auch yussuf gut und sicher untergebracht. und wir genossen den verblassenden glanz dieses hotels. vom zimmer aus hatten wir blick auf die plaza, auf der 23 bronzeskulpturen von fernando botero stehen. vom selben fenster konnten wir deren 13 sehen! auch das museum besuchten wir natürlich - dort konnten wir boteros gemälde mit den herrlichen rundungen bewundern. seine farben sind als tropisch-bunt zu beschreiben, er hat aber auch politische und chronistische details integriert.

historisches ausstellungsobjekt des museo de antioquia in medellin ist ein instrument zusammengestellt aus gewehr und gitarre: die escopetarra.
medellin ist aber auch eine sehr moderne stadt. fasziniert hat uns am öffentlichen verkehr die hochbahn. des weiteren gefielen uns die parks mit interaktiven elementen. so zum beispiel der parque de los pies descalzos (park der nackten füsse). wasserbecken mit sprudeln, sandplätze, balanciersäulen laden zum fusserlebnis ein. daneben wasserbecken mit vielen wasserfällen: dort können die kinder sich von der geräuschkulisse des wassers berieseln lassen und distanz zum lärm der stadt gewinnen. das sehr moderne und riesige stadtverwaltungsgebäude wird von der bevölkerung "el inteligente" genannt. wir sind begeistert und beeindruckt!
auch der gastronomische teil durfte nicht fehlen, dazu gehörte zum beispiel eine hervorragende kuttelsuppe mit arepas (eine art maisgebäck) und obligatorisch ist immer yuca (eine stärkehaltige wurzel) - gekocht, frittiert oder sonstwie zubereitet. wir entdeckten auch eine schweizer konditorei mit feinsten canapés, gebäck, pralinen und marzipan. wie sprüngli halt, aber mit anderem preisgefüge..
bogotà, die hauptstadt auf 2630 MüM mit ihren fast 8 millionen einwohnern gehört ja vor allem wegen dem goldmuseum zu den mussts des guten touristen. wir hatten das glück, bei freunden von hanspeters freund marcel, bei blanca und urs mit julian, nina und witzigem hund spiky zu gast sein zu dürfen. sie fungierten für uns auch als wunderbare cicerones und wir erlebten bogotà als interessante und erstaunlich sichere grosstadt. herzlichen dank, amigos! es war toll bei und mit euch!! natürlich besuchten wir das neu renovierte goldmuseum mit seinen präkolumbianischen schätzen. aber auch die stiftung botero und weitere museen, sowie der koloniale altstadtteil haben uns beeindruckt.
ein ausflug aufs land in den ort choachi rundete das programm ab. wir sassen im garten eines schweizer restaurants - ein original chalet, das in der schweiz abgebaut und hier wieder aufgebaut worden ist!
nördlich von bogotà, bei der schönen kolonialstadt zipaquira, besuchten wir in einem aktiven salzbergwerk eine kathedrale. man wandert den kreuzweg durch einen gang bis auf 160 m under grund, dort befindet sich eine ganz ins salz gehauene kathedrale. auch das ein tiefes erlebnis.
erlebnis-verdauungspause war angesagt, wir verbrachten sie in villa de leyva auf einem gepflegten camping. es regnete zwar jeden nachmittag heftig. aber das eher kühle klima war angenehm und der platz wunderschön. so konnten wir auch fast jeden tag in die kleine kolonialstadt spazieren, auf der riesigen plaza den weltberühmten kolumbianischen tinto (kaffee) schlürfen und unsere geschäfte erledigen.
es ist überhaupt erstaunlich, was kolumbien an sehr gepflegten, wohl unter heimatschutz stehenden kolonialstädten zu bieten hat. meist wunderschön in grüne hügellandschaft eingebettet. ein solches kleinod besuchten wir weiter nördlich in barichara. auch da fanden wir einen schönen übernachtungsplatz in einem balneario (ausflugsplatz der kolumbianer, mit pool oder an einem gestauten bach gelegen) im tropischen wald.
das nächste ziel war die stadt bucaramanga. dort fanden wir herzliche aufnahme bei den eltern von blanca, maria und efrain und der fitten abuela (grossmutter), 105 jährig! efrain war mal zuständig für die bierversorgung in weiten teilen kolumbiens - als das bier noch auf schiffen auf der schlagader des landes, dem rio magdalena transportiert wurde. herzlichen dank für die spontane gastfreundschaft!

an den rio magdalena wollten wir auch wieder. doch auch auf dem weg brauchten wir einen übernachtungsplatz. in aguachica fragten wir in einem laden nach einer möglichkeit. so wurden wir in eine katholische missionsstation geleitet, wo wir herzliche aufnahme im schönen park fanden, umgeben von schafen, katzen, leguanen und exotischen vögeln. unterdessen war es schon sehr heiss und die dusche haben wir sehr genossen. der padre hanibal jesus und seine misioneros del camino haben uns sehr herzlich aufgenommen. am sonntag morgen predigte er am lokalradio, wir hörten mit. auch hier ein herzliches dankeschön!
weiter gings über staubige erdstrassen bei mindestens 40 grad, durch schwemmland des rio magdalena richtung mompox, der legendären stadt am grossen fluss. in zeiten als die meisten versorgungsgüter per schiff transportiert wurden war das ein sehr wichtiger hafen. die gepflegte innenstadt - natürlich in sehr schönem kolonialstil - mit kleiner hafenpromenade. ein essen in einem typischen beizli am fluss - einfach traumhaft. eine schiffahrt auf einem kleinen fischerboot durfte nicht fehlen: der breite, braune fluss der träge fliesst, links und rechts grün, schwemmland, zebus und kleine gehöfte; wir fuhren auch in einen kleinen nebenarm in dem die kinder badeten und sich einen spass daraus machten, ins wasser zu springen und uns zu bespritzen. lustig waren auch die etwa ein meter langen, bunten leguane, die auf den ästen lagen und sich einfach plumpsen liessen. affen sahen wir nur aus der ferne.
ein weiterer pilgerort wartete auf dem weg an die küste auf uns: aracataca, der geburtsort von gabriel garcia marques und vorlage für den ort macondo in seinem buch "hundert jahre einsamkeit".
den magdalena überquerten wir auf einer kleinen fähre und fuhren dann durchs heisse, staubige land an die küste nach barranquilla. dort quartierten wir uns mal in einem guten, schönen hotel ein. wir hatten in einem restaurant nach einem solchen mit guten parkmöglichkeiten gefragt und wurden um sieben ecken weitergereicht - am schluss landeten wir wirklich toll, dank den empfehlungen zu einem gut rabattierten preis! wir besuchten verwandte von marcel und magaly, so erhielten wir auch wieder einblick ins tägliche leben der kolumbianer. muchas gracias!
auch esthers geburtstag verbrachten wir in barranquilla. am morgen kam hanspeter schon mit baccara-rosen und geburtstagsgeschenk und mittags gabs frischen fisch auf einer wackligen terrasse am mündungsdelta des rio magdalena. genuss pur!!
wir suchten verschiedene schiffahrtsagenturen auf. anfang januar wollen wir ja nach panama verschiffen. am liebsten hätten wir einen dampfer, der auch uns mitnehmen würde. die chancen stellten sich als mehr als gering heraus. wir wollten es noch in cartagena versuchen.
also ab nach cartagena - einer perle südamerikas. für uns mit cusco/peru wohl die schönsten städte südamerikas.
wir konnten uns im guest-house von manfred, einem seit jahrzehnten in kolumbien lebenden deutschen schiffsagenten, einquartieren. mit idealem platz für yussuf im engen hinterhof. zentral gelegen. er wird nun auch unsere verschiffung in die hand nehmen und uns bei allen formalitäten behilflich sein. yussuf wird dann voraussichtlich am 8. januar im container nach panama geschippert. wie wir reisen werden, werden wir euch im nächsten bericht mitteilen!
cartagena hat eine ummauerte altstadt auf einer über brücken erreichbaren insel. das stadtzentrum lädt ideal zum bummeln durch die quirligen, engen gassen ein. gesäumt sind sie von fantastisch restaurierten häusern. gute restaurants, schöne hafenbars, beste versorgung - alles was das herz begehrt!
wir wollen die küste bereisen, bevor hier um den 15. dezember der ferienrummel losgeht. auf dem weg ost/nord-ostwärts machten wir wieder in barranquilla station um bei leticia, magalys mutter, die maestro-karte abzuholen. gritli hat sie per post geschickt, und nach 10 tagen ist sie - wie avisiert - angekommen. wohlgesagt normale post aus der schweiz für 6 franken (dhl wäre fast 120 franken gewesen - und die sind ja oft nicht schneller... die erfahrung haben wir ja schon mehrmals gemacht). die bank hatte kurzfristig irgendetwas am system geändert, die karte war im februar extra noch verlängert worden bis dez 2010 - und plötzlich wurde sie einfach ersetzt. also hatte freundin gritli die neue schnell beschafft und den besten weg der zustellung eruiert - und voilà! tausend dank!!! ist ja schon toll, wenn man einfach so am kasten geld rauslassen kann...
nun sind wir also in minca. zuerst haben wir den hübschen kleinen ort santa marta kurz besucht - eine hafenstadt, herrlich an der karibikküste, sonnig, heiss, mit schöner hafenpromenade mit palmen und anderen pflanzen. der gag ist aber, dass alles vorweihnachtlich dekoriert ist: lichterschlangen, rentiere mit beleuchteten schlitten, krippenfiguren, samichläuse mit sombreros und musikinstrumenten - einfach herrlich.
eine steile, holperige strasse führte uns auf 700müm nach minca im urwald gegen die sierra nevada. dieses bergmassiv mit seinen schneebedeckten gipfeln auf gegen 6000 müm, war bis vor kurzem aus sicherheitsgründen nicht bereisbar. wir stehen hier im wald bei einem deutschen hostal neben dem swimmingpool mit herrlichstem blick auf santa marta (vor allem die lichter abends sind wunderschön) und das karibische meer.
in den nächsten tagen wollen wir noch weiter die küste und die sierra bereisen, bevor wir uns zu reisevorbereitungen, weiteren genüssen, und den jahreswechsel nach cartagena verschieben werden.
wir wünschen euch eine frohe adventszeit, viel spass beim guetzli backen, fröhliche, unbeschwerte feiertage mit vielen goodies, einen guten rutsch in ein wundervolles neues jahr voller gesundheit, glück und freude!!!
herzlich grüssen euch aus der wärme
esther und hanspeter |